Frag nicht, warum du anfängst. Frage dich, wofür

Der folgende Text ist ein Experiment. Er fängt mit der Frage an, warum es so schwer ist anzufangen und mündet in einem Fazit, das ich am Ende preisgeben werde, zum jetzigen Zeitpunkt aber selbst noch nicht kenne. Ich bin also gleichermaßen gespannt wie ihr. Im besten Falle inspiriert er uns alle gleichermaßen.

Ich rede hier nicht vom Fitnessstudio oder von der Steuererklärung. Ich rede von etwas, dass ich total gerne mache: schreiben. Egal ob journalistische Artikel, Postkarten oder in mein Tagebuch. Ich habe tausend Ideen im Kopf, Listen mit Affirmationen in meinem Handy, Gedanken, die nur darauf warten zu Papier gebracht zu werden. Ich laufe durch die Straßen, mit Notizbuch unterm Arm, lese ein Buch, lese Zitate. Ständig ploppen Kurzgeschichten im Kopf auf. Ich denke mir oft, gar nicht so schlecht. Ich denke mir ständig, schreib es auf. Eigentlich habe ich kein Problem, über meine Gedanken zu reden. Ich mache es vor hunderten Studenten an der Uni, ich gebe Talks deutschlandweit. Es könnte so einfach sein - bis ich vor meinem Laptop sitze. Dann scheint mein Kopf leer. Ich frage mich, wer liest das. Ist das ein Thema? Welche Überschrift hat das Ganze? Roter Faden? Wen interessiert das? Ich denke solange darauf rum, bis ich es doch lasse.

Bis zum heutigen Tag.

Worum es eigentlich geht ist, die Frage, warum lohnt es sich überhaupt, mit etwas zu starten? Das gilt meiner Meinung nach für jeden Bereich. An Themen mangelt es mir nicht (siehe oben). Vielmehr an „dem einen trifftigen Grund“, meine Gedanken auch tatsächlich aufzuschreiben und somit laut auszusprechen. Warum machen wir manche Sachen fast automatisch, und warum lassen wir manche sein? Egal ob es ein simpler Text ist, ein Start Up gründen oder einen Vorsatz durchziehen. Ich denke über die Frage nicht erst seit gestern nacht. Die Konklusion zu der ich langsam komme, ist eigentlich ziemlich simple. Es geht um das wofür - was ist die wahre Motivation dahinter? Die ist so individuell wie ein jeder Mensch.

Starten wir ein Business nur um Geld zu verdienen oder weil wir etwas verändern wollen? Schreiben wir Texte, um uns selbst zu beweisen, wir können das oder um andere zu inspirieren? Ernährung wir uns vegan, weil es alle machen oder aus innerer Überzeugung? Das Warum zu hinterfragen ist für mich inzwischen eins der wichtigsten Tools geworden - aus mehreren Gründen. Ich mache mir weniger Vorwürfe, wenn ich etwas nicht „durchhalte“. Ist mein Warum nicht stark genug, liegt meine Leidenschaft eben woanders. Ein Beispiel: ich werde oft angefragt, ob ich PR Texte schreiben will. Ich weiß auch, dass ich es kann. Aber oftmals ist mein Warum dahinter schwach. Ich spüre keine Leidenschaft, mich in das Produkt hineinzudenken, wenn ich nicht dahinter stehe. Früher hätte ich gesagt: Easy money. Mach ich trotzdem. Heute lasse ich es sein und fokussiere mich auf Dinge, die mir Spaß machen. Ich bleibe mir treu und kann so To-Do-Listen wunderbar entzerren. Wichtig ist nur: man muss ehrlich mit sich selbst sein. Wenn der Wunsch, etwas zu tun, immer wieder kommt, sollte man ihn ernst nehmen und auf seine innere Stimme hören. Denn auch ein starkes Warum kann gehemmt werden, aus Gründen wie Versagensangst, Sorge vor eigener Schwäche (ist es wirklich gut? Traue ich mir das zu?). In diesem Fall rate ich: noch genauer hinhören. Ein Beispiel auch hier: Letztens wurde ich gefragt, ob ich an der TU Berlin einen „TED Talk“ geben will über meine Karriere. Im ersten Moment war ich Feuer und Flamme. Im zweiten schon nicht mehr. Bis zum Abend vor dem Vortrag habe ich meine Präsentation vor mir hergeschoben. Eigentlich wusste ich, dass es sich lohnt. Aber irgendwas in mir hat sich dagegen gesträubt, das Thema anzupacken - bis ich es trotzdem tat. Mit Erfolg. Was war mein Warum? Was trieb mich doch noch an? Es war der Moment als ich mir vorstellte, andere junge Studenten inspirieren zu können, ihr eigenes Ding zu machen. Sich nicht in den nächsten Konzern zu stellen, sondern ihre Träume zu hinterfragen. Heute kann ich aus eigener Erfahrung sagen: wenn der Grund, warum ich etwas tue, für mich einen höheren Sinn hat, hilft es mir unglaublich weiterzumachen. Etwas zu bewegen, Leute zu erreichen, alte Muster zu hinterfragen. Es sind die Momente außerhalb der Komfortzone, in denen wir wachsen.

Wer noch auf das Fazit von oben wartet, bekommt es auch. Die Antwort lautet: fangt einfach an, es fühlt sich so gut an.

insideLaura Lewandowski